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Shana LieblIm Jahr 2010 wurde unsere Kinder-
psychologin Stefanie Heer von Shanna Liebl unterstützt. Sie arbeitet heute auf einer anderen Station in der Kinderklinik.








"Begegnungen“ – ein Erfahrungsbericht von Shana Liebl.

In den ersten Wochen war viel zu klären – es galt gemeinsame Wege der Zusammenarbeit zu finden, sowohl mit den Teams der Stationen, als auch mit meiner Kollegin Frau Heer, damit sich sukzessive ein flüssiges Hand-in-Hand-Wirken entwickeln kann.
Die Aufnahme der Teams war durchweg freundlich, der Informationsfluss frei und offen, so dass ich insgesamt von einer gelungenen Integration der Psychologie sprechen möchte.

Frau Heer und ich sind sehr darum bemüht, den Eltern und Kindern auf den Stationen täglich mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Allerdings … acht Stunden in der Woche und pro „Nase“ vergehen schnell. Zu schnell. Die Nachfragen durch Eltern und von den Teams zeigen schon jetzt, dass der wirkliche Bedarf höher liegt.


Du kannst Monster fangen?!

Der kleine D.
Vier Jahre ist er erst alt“, begann D.s Mutter, „und schon so viel durchgemacht. Und schauen Sie nur, wie fit er schon ist. Springt umher, als hätte es gar keine OP gegeben!

Der Eingriff war erst wenige Tage her. Sein Herzfehler ist ziemlich kompliziert, es war die dritte Operation. D. spielte mit ein paar Autos, die von ihm ziemlich geräuschvoll synchronisiert wurden.
Spielst du gerne mit Autos?

Neugierig blickte er mich durch seine Brillengläser an. „Wer bist´n du? Ich kenn dich nicht …

Stimmt. Ich bin neu hier und heiße Shanna Liebl. Ich komme hier manchmal vorbei, spreche und spiele mit den Kindern, wenn sie Lust haben.

Was spielst du denn?“ Sein Blick glitt auf meine rote Stofftasche, die ich etwas abseits abgestellt hatte.

Du siehst aber auch alles!“, bemerkte ich anerkennend. „Ich habe Sachen zum Spielen dabei. Dort in der Tasche.

D. sprang auf und wollte hinlaufen, um zu schauen, was sich darin befand. „Nicht so schnell. Du weißt doch, der Doktor hat gesagt, nicht laufen!“, mahnte D.s Mama mit besorgter Stimme.

D. gehorchte sofort und hielt inne.
Warte, ich hole sie“, meinte ich. D. folgte mir ein Stück, setzte sich dann auf den nächsten freien Stuhl.

Wir packten die Tasche aus, aber nichts gefiel ihm.
Hast du gar keine Monster?“, rief er enttäuscht.

Naja, nicht hier dabei. Ich habe ein Zimmer, da wohnen auch Monster. Keine großen wohl, aber wenn du magst, bringe ich nächstes Mal alle die mit, die ich einfangen kann.

Seine Augen weiteten sich erstaunt. „Du kannst Monster fangen?

Sicher.

Dann bring sie mit, und jetzt bauen wir eine Rakete!“ Er schnappte sich das Malpapier, Stifte, Schere und Kleber aus der Tasche und begann eifrig zu basteln.

Die Zeit verging wie im Flug. Die Rakete wurde gerade rechtzeitig fertig, als es hieß: Essenszeit. Gestartet hatte er sie später, ohne mich. Es musste eine Fehlzündung gegeben haben. Bei meinem nächsten Besuch, selbstverständlich mit Monstern im Gepäck, überreichte er mir die traurigen Überreste seiner Rakete.


Entspannung

Ich habe so schlecht geschlafen. Und dann dieses ewige Sitzen auf diesen Stühlen …“, begrüßte Frau A. mich mit seufzender Stimme.

„Schade, dass wir nicht die schönen Massagesessel aus der MacDonald Oase (unser Rückzugsraum für Eltern im Krankenhaus) hier haben.


Wenn Sie mögen, kann ich Ihnen den Nacken ein wenig entspannen.

So etwas können Sie auch?

Ja, ich bin Expertin für Entspannungsverfahren, habe unter anderem auch Entspannungsmassagen für Nacken und Rücken gelernt. Im Liegen wäre es natürlich effektiver, aber in Ermangelung einer entsprechenden Liege kann man es auch im Sitzen machen.

Und das würden Sie wirklich tun?

Ja sicher, wenn Sie es wirklich möchten?!“, antwortete ich lächelnd.

Und wie ich es möchte! Was muss ich also tun?“ Frau A. rückte mit dem Stuhl etwas nach vorne.

„Sie sind auf dem richtigen Weg mit Ihrem Stuhl, sie setzen sich etwas weiter nach vorne, so dass Ihre Füße gute Bodenberührung haben und ihr Rücken gerade ist. Vielleicht noch ein bisschen näher an das Bett Ihres Kleinen heran, damit Sie ihn jederzeit beruhigen können, wenn er ein wenig unruhig werden sollte. Und wenn Sie dann bereit sind, sagen Sie mir Bescheid.

Bescheid!“, lautete ihre prompte Antwort. Wir mussten lachen.

Während der Nacken- und Rückenentspannung gab ich ihr ruhige Anweisungen, auf ihren Atem zu achten, ihn in seinem natürlichen Fluss einfach nur zu beobachten, zu sagen, wenn sich etwas besonders gut oder vielleicht auch nicht so gut anfühlt, damit ich meine Handbewegungen entsprechend korrigieren konnte.

Ihr Sohn war ausgesprochen gnädig mit uns, oder vielleicht hat sich einfach die Ruhe auf ihn übertragen. Er schenkte seiner Mama jedenfalls gute zehn Minuten und einen etwas entspannteren Nacken und Rücken. Eine Idee war geboren. Ich machte mich auf zu Professor Asfour, um nachzufragen, ob den Eltern vielleicht grundsätzlich ein solches Entspannungsangebot unterbreitet werden dürfte. Er stimmte zu. Und wenn wir dann endlich unser Büro einrichten können, wird es dort auch eine Entspannungsliege geben, Öle, für die, die es wünschen, sanfte Musik, wer es mag …


Ich habe Ihnen verziehen

Würden Sie vielleicht mal in dieses Zimmer gehen?“ Die Schwester sprach leise und wies dezent auf das Zimmer gegenüber hin. „Ich glaube, Frau N. geht es heute gar nicht gut. Ihr Kind hat keine gute Prognose für die eigentlich schneller angedachte Entlassung. Ihr ist alles ein wenig zu viel.

Ich machte mich auf als ich sah, dass die Mutter vom Mittagessen zurückkehrte, wartete allerdings noch einige Minuten, um nicht mit der Tür ins Haus zu fallen. Leise klopfte ich dann an und trat ein. Sie stand mit dem Rücken zu mir, ihre Schultern vibrierten leicht.

Entschuldigung, mein Name ist …

Den will ich gar nicht hören, und WAS Sie sind, weiß ich. Ich brauche Sie nicht, habe heute nur einen schlechten Tag, das kommt aber von dem trüben Wetter da draußen. Danke für alles und nun gehen Sie!“, zischte mir ihre halberstickte Stimme entgegen.

Das war deutlich! Tief berührt, zugleich ein wenig beschämt, verließ ich ihr Zimmer mit einem leisen Abschiedsgruß.

Nicht gut gelaufen, hm?“, fragte die Stationsschwester mitfühlend.

Nein, nicht wirklich.

Eine Woche später wieder auf der Station.

Hallo, Sie, Frau …“ Sie bemühte sich, mein Namensschild zu entziffern.

Liebl“, meinte ich hilfsbereit.

Frau Liebl, ich habe Ihnen verziehen, wollt ich nur sagen!

Frau N. lud mich mit einer freundlichen Geste in ihr Zimmer ein. Fast eine halbe Stunde sprachen wir, denn Frau N. lag vieles auf der Seele.

Na, dann bis nächste Woche!“, rief sie mir noch freundlich hinterher. Ihre Augen glänzten, ihre Schulter war gestrafft, sie wirkte insgesamt gelöster und aufrechter als bei unserer ersten Begegnung.


Fazit

Fünf Monate dürfen wir nun schon im Kinderherzzentrum wirken, Frau Heer und ich, und die Rückmeldungen der Teams sind ausgesprochen positiv. Vieles, was zuvor von den Schwestern zusätzlich an psychologischer Begleitung geleistet wurde, geleistet werden musste, hat sich auf unsere Schultern verlagert. Es scheint die Arbeitsatmosphäre insgesamt verändert, entspannt zu haben, und die Schwestern können sich nun wieder viel mehr ihrer medizinischen Versorgung und Pflege widmen.

Wir danken dem LR GLOBAL KIDS FUND dafür, das Ganze hier ermöglicht zu haben.