Kinderpsychlogin Stefanie Heer arbeitet seit Anfang 2010 für unser Projekt am Deutschen Kinderherzzentrum in Sankt Augustin.
Maria Kaufmann: Der Global Kids Fund arbeitet seit Anfang vergangenen Jahres mit dem Deutschen Kinderherzzentrum (DKHZ) St. Augustin zusammen, Anlass für ein erstes Zwischenfazit. Herr Professor Asfour, wie viele Patienten werden am DKHZ aktuell behandelt?
Professor Asfour: „Hier im DKHZ werden Kinder und Jugendliche mit angeborenen Herzfehlern behandelt. Im letzten Jahr haben wir etwa 500 Patienten operiert und ca. 700 Herzkatheteruntersuchungen durchgeführt. Das Durchschnittsalter der Patienten lag bei 11 Monaten. Dabei war der jüngste Patient 1 Tag alt, der älteste Patient 64 Jahre.
Gerade letztere Zahl mag für ein Kinderherzzentrum erstaunlich klingen. Aber aus Kindern mit angeborenen Herzfehlern werden nach erfolgreicher Behandlung sogenannte EMAHS, Erwachsene mit angeborenen Herzfehlern. Und die behandeln wir natürlich auch im fortgeschrittenen Alter, weil wir ihre Krankengeschichte gut kennen."

Maria Kaufmann: Seit März 2010 arbeitet, vom Global Kids Fund finanziert, die Kinder-Psychologin Stefanie Heer am DKHZ Wie kam es zu dieser Zusammenarbeit?
Professor Asfour: „In einer modernen, auf nachhaltigen Behandlungserfolg ausgelegten Klinik ist eine psychologische Betreuung der Patienten unverzichtbar. Dies gilt für die Kinderherzchirurgie in besonderer Weise. Unsere Patienten verbleiben durchschnittlich 16 Tage in der Klinik. Es gibt jedoch Patienten, die sich erheblich länger in der Klinik aufhalten müssen, so betrug im letzen Jahr der längste Aufenthalt einer Patientin im DKHZ 183 Tage.
Es kommt häufig vor, dass sich in einer so langen Zeitspanne Krisen ergeben, die sich nicht mehr nur durch eine intensive und zugewandte Betreuung durch unser Pflege- und Ärzteteam begleiten lassen, sondern eine intensivere psychosoziale Unterstützung erfordern, wie sie Stefanie Heer den Patienten anbietet. Mittlerweile konnten wir ja durch eine erneute großzügige Spende des Global Kids Fund die Stelle weiter aufstocken. Frau Heer steht den Stationen jetzt 25 Stunden pro Woche zur Verfügung."
Maria Kaufmann: Frau Heer, wie sieht diese psychosoziale Unterstützung in der Praxis aus?
Stefanie Heer: „Ich nehme auf den Stationen direkt Kontakt zu den Patienten und ihren Eltern auf. Dabei erkläre ich ihnen meine Funktion im Haus und lade sie zu einem Gespräch ein. Wenn ich die Familien vor der OP sehe, biete ich ihnen auch eine Führung über die Intensivstation an. Dabei kann ich mir einen Eindruck über die akute Belastung der Familie verschaffen und schon hier frühzeitig durch Beratung und Aufklärung Strategien vermitteln, was den Umgang mit der erforderlichen OP erleichtert.
Abhängig vom Patientenalter variiert mein Ansatz natürlich. Bei sehr jungen Patienten liegt mein Fokus eher auf den Eltern, dabei kreisen Beratungsinhalte oft um die Übergabe des Kindes an die Operateure, um den Umgang mit elterlichen Ängsten, die sich möglicherweise auf die Kinder übertragen oder um die Auseinandersetzung mit der Erkrankung des Kindes.
perfekt aufeinander Abgestimmt: das Team um Prof. Dr. med. Boulos Asfour
Im Rahmen dieser Betreuung achte ich auch auf mögliche Symptome, die eine akute klinische Erkrankung anzeigen. In diesem Zusammenhang ist eine sogenannte Postpartale Depression besonders bei Müttern kurz nach der Geburt ein nicht zu unterschätzendes Risiko.Bei älteren Kindern ist es wichtig, sie in die Beratung einzubeziehen. Ich nehme dabei häufig mit Hilfe einer Handpuppe spielerischen Kontakt mit den Kindern auf. Dabei geht es in erster Linie darum, akute Sorgen und Belastungen der kleinen Patienten zu erfassen und Lösungsansätze zu entwickeln, die im Kontakt mit den Eltern weiterentwickelt und umgesetzt werden. Oft leiden die Kinder unter der Trennung von Geschwistern, langweilen sich oder zeigen Anzeichen einer akuten Belastung durch die erforderlichen medizinischen Eingriffe. Allerdings bin ich sehr beeindruckt, wie die meisten Kinder mit dem Krankenhausaufenthalt und den damit verbundenen Belastungen umgehen."
Maria Kaufmann: Warum sprechen Sie der Betreuung der Eltern eine so große Rolle zu?
Stefanie Heer: „Es ist natürlich so, dass die Stimmung der Eltern zu einem großen Teil das Empfinden der Kinder beeinflusst. Haben die Kinder das Gefühl, das es ihren Eltern gut geht, obwohl sie in einer fremden Umgebung sind und viele Dinge geschehen, die sie nicht richtig verstehen, so fühlen die Kinder sich sicher und gelassen. Eine positive Grundhaltung erleichtert den Umgang mit schwierigen Situationen und beeinflusst auch die Heilungsprozesse."
Baby-HLM: eine speziell für die Herzchirurgie konfigurierte Herzlungenmaschine Früh- und Neugeborener
Maria Kaufmann: Herr Professor Asfour, ist die psychologische Betreuung von Eltern und Kindern bereits zu einem festen Bestandteil im DKHZ geworden?
Professor Asfour: „Die psychologische Betreuung ist aus dem DKHZ mittlerweile tatsächlich nicht mehr wegzudenken. Mögliche krisenhafte Situationen können teilweise bereits vor einer Eskalation abgefangen werden, indem die Patienten und ihre Eltern regelmäßigen Kontakt zu Frau Heer halten. Auf diese Weise werden emotionale Belastungen bereits sehr früh erkannt.
Für das Pflegeteam und die behandelnden Ärzte bedeutet es eine große Entlastung und Bereicherung, sich mit ihr interdisziplinär auszutauschen und Strategien zu entwickeln, die die individuelle Betreuungsqualität weiter erhöhen. Vor diesem Hintergrund kann ich dem Global Kids Fund gar nicht genug danken, dass er uns mit seiner großzügigen Unterstützung diese Möglichkeit eröffnet hat."
